Empowerment zur Wohlfartspflege


Projekt: „Kultur- und religionssensible Wohlfahrtspflege - Erprobung praktischer Teilhabe am Beispiel Seniorenarbeit/-hilfe“

Den zentralen Programmpunkt im Arbeitsprogramm des Empowermentprojekts für 2021 stellt die bundesweite Veranstaltungsreihe dar. Hierzu hat sich eine Vorbereitungsgruppe gebildet, die sich bereits 2020 - vom ISS initiiert - gegründet hat und sich aus Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Verbände und Organisationen zusammensetzt. Im Rahmen der Vorbereitung einer Tagung zum Thema Seniorenarbeit entstand innerhalb dieser Gruppe die Idee für ein neues Projektvorhaben, welches nun offiziell im August 2021 gestartet ist und folgenden Titel trägt: „Kultur- und religionssensible Wohlfahrtspflege - Erprobung praktischer Teilhabe am Beispiel Seniorenarbeit/-hilfe“. Im Rahmen dieses Projekts werden die einzelnen Verbände versuchen erste Strukturen und Angebote im Bereich der Seniorenarbeit/-hilfe aufzubauen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

 

Alle Projektvorhaben verfolgen das Ziel, muslimische und alevitische Wohlfahrt voran zu bringen und weiterzuentwickeln. Dazu werden unterschiedliche modellhafte Ansätze im Bereich der Seniorenarbeit entwickelt, erprobt und ausgewertet. Die Projektvorhaben bilden dabei ein breites Themenspektrum innerhalb des großen Feldes der Seniorenarbeit ab. Gemeinsam ist allen das ressourcenorientierte Vorgehen und das handlungsleitende grundlegende Ziel des „Aktiven Alter(n)s“. Alle Projektvorhaben arbeiten in unterschiedlichen Modellstandorten und berücksichtigen die Strukturen vor Ort, beziehen diese ein bzw. knüpfen an diese an.

Folgende Themen und Handlungsfelder werden beispielsweise in den Projektvorhaben aufgegriffen:

•           Gesundheitsförderung und aktiv älter werden durch die Förderung von Bewegung und gesunder Lebensführung

•           präventive Angebote und Möglichkeiten schaffen, sich frühzeitig mit „Altern“ auseinander zu setzen

•           Begegnungen schaffen, um Einsamkeit und Isolation zu verhindern

•           Förderung des Engagements Älterer u.a. durch Qualifizierung

•           Unterstützung für hilfebedürftige Ältere orientiert an den Interessen und Bedürfnissen der Nutzer*innen organisieren

Insbesondere die Ermittlung der Interessen der Nutzer*innen in Bezug auf ein gutes Leben im Alter, knüpft an bestehende Forschungsdesiderate an, und stellt somit auch einen Beitrag im Rahmen einer Praxisforschung dar.

 

Die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte bieten zudem große Chancen, den gemeinsamen Qualifizierungsprozess der Organisationen weiterzuführen – hier soll ein Prozess des systematischen „Voneinander – Lernens“ implementiert werden. Durch den Austausch der Verbände untereinander und die gemeinsame Reflektion können die Verbände/Organisationen über das jeweilige eigene fachliche/themenspezifische Gebiet hinaus weitere Handlungsfelder kennen lernen und weiterentwickeln. Die Erfahrungen aus den unterschiedlichen Modellstandorten in den verschiedenen Themenfeldern sollen systematisch ausgewertet werden – so können zentrale Erkenntnisse zum Transfer in andere Settings aufbereitet und genutzt werden, auf deren Basis dann bedarfsgerechte Ansätze der Seniorenarbeit weiterentwickelt werden können.

Eine weitere kontinuierliche Begleitung ist dabei notwendig und seitens der Verbände und Organisationen gewünscht, um diese Prozesse des Austauschs miteinander adäquat zu gestalten und die Weiterqualifizierung voran zu bringen. So werden die Anliegen der muslimischen und alevitischen Wohlfahrtspflege und die Weiterentwicklung der kultur- und religionssensiblen Wohlfahrtspflege insgesamt durch beispielhafte/modellhafte Aktivitäten, Projekte und Maßnahmen im Bereich der Seniorenarbeit vorangebracht sowie die innermuslimische Vernetzung sowie die Selbstorganisation der Organisationen gefördert.

 

 

Freie Wohlfahrt

Durch die zunehmende Dynamik gesellschaftlicher Veränderungsprozesse wie Säkularisierung und Pluralisierung steht die Wohlfahrtspflege zunehmend unter Veränderungsdruck. In Deutschland leben mittlerweile zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime. Sie machen damit ca. 5 % bis 6 % der Bevölkerung aus. Hinzu kommt eine große Anzahl an geflüchteten Menschen, die in den letzten Jahren aus zumeist muslimisch geprägten Staaten nach Deutschland gekommen sind. 

Neue Anforderungen

Damit haben sich auch die Anforderungen an die freie Wohlfahrt im Hinblick auf religions- und kultursensible Wohlfahrtspflege verändert, und der Bedarf an religions- und kultursensiblen Leistungen der Wohlfahrtspflege für Muslime wächst. Genau wie Menschen christlichen und jüdischen Glaubens haben Menschen muslimischen Glaubens – oder mit Migrationshintergrund aus vorwiegend muslimisch geprägten Ländern – religions- und kulturspezifische Bedürfnisse und Anforderungen an soziale Dienstleistungen. 

Dynamische Wohlfahrt

Mit dem Schwerpunkt „Muslimische Wohlfahrtspflege“ in der DIK hat die gesellschaftliche und politische Diskussion um kultur- und religionssensible Leistungen der Wohlfahrtspflege für Menschen muslimischen Glaubens an Dynamik gewonnen. Unterstützt wird das Projekt "Empowerment zur Wohlfahrtspflege mit den Verbänden der Deutschen Islamkonferenz" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Fachliche Begleitung durch das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS)

Das Projekt wird vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) e.V. fachlich begleitet. Im Vordergrund der Projektförderung stehen unter anderem Qualifizierungs- und Professionalisierungsmaßnahmen sowie Informationsvermittlungen über Förderungen, Leistungen, Angebote, Funktionsweise und Strukturen der Wohlfahrtspflege