Bisherige Ergebnisse des Empowermentprojektes

Seit 2017 befasst sich das „Empowermentprojekt muslimische und avlevitische Wohlfahrtspflege“ mit der Förderung der muslimischen/alevitischen Wohlfahrtspflege sowie der Entwicklung religions- und kultursensibler Wohlfahrtsleistungen von und für Muslim*innen und Alevit*innen. Das Projekt ist im Rahmen der dritten Deutschen Islam Konferenz entstanden und wurde gemeinsam mit allen (damaligen) DIK-Verbänden unter Beteiligung der Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege, die in der DIK mitwirkten, entwickelt und wird seit 2017 mit allen Beteiligten gemeinsam auf Bundesebene umgesetzt. Es wird vom BMFSFJ gefördert, vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) e.V. fachlich begleitet und von einem durch das BMFSFJ einberufenen Beirat unterstützt. Es endete am 31.12.2021.

Im Projekt standen zunächst Qualifizierungs- und Professionalisierungsmaßnahmen sowie Informationsvermittlung über Förderungen, Leistungen, Angebote, Funktionsweisen und Strukturen der Wohlfahrtspflege im Vordergrund. Darüber hinaus wurde die Vernetzung und die Kooperation der muslimischen/alevitischen Organisationen untereinander und mit unterschiedlichen Akteuren der Freien Wohlfahrtspflege sowie politischer Entscheidungsgremien auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene fokussiert. Inhaltlich war die Qualifizierung und Vernetzung im Themenfeld der Kinder- und Jugendhilfe, dann das gleiche im Themenfeld Seniorenarbeit und Altenhilfe ein Schwerpunkt.

Im ersten Halbjahr 2021 wurde für die Bearbeitung des Handlungsfeldes Alten- und Seniorenhilfe das Projekt „Kultur- und religionssensible Wohlfahrtspflege –  Erprobung praktischer Teilhabe am Beispiel Seniorenarbeit/-hilfe“ entwickelt, das von sechs projektbeteiligten Organisationen seit 01.08.2021 umgesetzt wird. Die einzelnen Projektvorhaben wurden von den Verbänden/Organisationen in einem Diskussions- und Qualifizierungsprozess, begleitet durch das ISS, entwickelt. Das ISS e.V. übernahm und übernimmt auch weiterhin die fachliche Projektbegleitung bis zum Projektende 31.12.2022.

Der Austausch und die Kooperation zwischen Vertreter*innen der muslimischen und alevitischen Wohlfahrt und denen der Freien etablierten Wohlfahrtspflege wurde in 2021 intensiviert; dazu gehört auch die Entwicklung von Qualitätskriterien für eine Kooperation auf Augenhöhe auf der Basis eines „common ground“.

Insgesamt konnte im Rahmen des Projektes eine sehr vertrauensvolle Basis zur Kommunikation und Kooperation der unterschiedlichen Akteure miteinander geschaffen werden – so sind auch kontroverse Diskussionen schwieriger Themen (z.B. theologische Einschätzungen) möglich und die grundlegende Kooperationsbereitschaft in Bezug auf Wohlfahrt wird durch diese Kontroverse nicht infrage gestellt. Als zentrale Errungenschaften des Empowermentprojektes lassen sich bisher beschreiben:

  • Zugewinn an Professionalität, Aneignung fachlicher Kenntnisse; Empowermentprozesse durch Selbstwirksamkeit
  • Verstärkte Trennung religiöser und sozialer Dienstleistungen, zum Beispiel auch durch die Gründung eigener Träger sozialer Arbeit
  • Intensivierung von Vernetzung und Kooperation: Intern in Form der Zusammenarbeit aller Verbände, u.a. über die Etablierung selbstorganisierter Projektarbeit. Extern wurde eine neue Sichtbarkeit in der Wohlfahrtslandschaft erreicht und es sind zunehmend Kontakte und Vernetzungsstrukturen in die Freie Wohlfahrtspflege auf Bundes- aber auch auf kommunaler Ebene entstanden
  • Beteiligung der muslimischen und alevitischen Verbände sowie der Moscheegemeinden an den Fachdiskursen (Publikationen, Vorträge etc.)
  • Erhöhung der Sichtbarkeit und Vernetzung in der wissenschaftlichen und fachlichen „Community“
  • Gemeinsame Antragsentwicklung 6 unterschiedlicher, aber aufeinander abgestimmte Projekte zur Alten- und Seniorenhilfe, die nunmehr durch das BMFSFJ gefördert werden.

Die Zukunftsfähigkeit des Wohlfahrtssystems insgesamt wird bis zum Projektende in offenen und gemischt besetzten Diskursen thematisiert werden. Die zentrale Leitfrage diesbezüglich lautet: Wie kann das Wohlfahrtssystem in Deutschland so weiterentwickelt werden, dass die zunehmende gesellschaftliche Diversität und Pluralität Eingang findet und bisher noch nicht (ausreichend) vertretene Bevölkerungsgruppen und ihre Bedarfe repräsentiert werden?

Anknüpfend an den Errungenschaften des Empowermentprojektes und anknüpfend an diese Entwicklungsfrage veranstaltet das ISS als Element dieses Diskurses gemeinsam mit den Akteuren aus dem Feld im Juni 2022 eine Transfertagung.

 

Adressaten der Transfertagung sind Interessierte und Schlüsselpersonen aus allen Bereichen der Wohlfahrtspflege: Aus der Fachwelt, der Praxis, der Politik aus Bund, Ländern und Kommunen, von freien und öffentlichen Trägern und aus der Wissenschaft.

Die Veranstaltung wird am 9. Juni 2022 als Präsenzveranstaltung im Landessportbund in Frankfurt am Main im Zeitrahmen von 09.00 – 16.30 Uhr stattfinden. Detaillierte Infos folgen in Kürze.